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Der Spielerstreik von Frankfurt

Auf wenig Verständnis der Eintracht-Fans stößt das Verhalten von Tony Yeboah und Co. im Dezember 1994

Es war ein kalter und grauer Dezember-Tag. Entsprechend lustlos trabten die Stars der Frankfurter Eintracht 1994 über den Trainingsrasen. So provozierend, dass Jupp Heynckes der Kragen platzte.

Einen Tag vor dem Bundesliga-Spiel gegen den HSV setzte der Cheftrainer, aus Spanien in die Bundesliga zurückgekehrt, ein Sondertraining an. Jay-Jay Okocha, Anthony Yeboah und Maurizio Gaudino wurden zur Extrarunde gebeten.

Heynckes suspendiert Yeboah, Gaudino und Okocha


Tags darauf traten die Spieler, einer nach dem anderen, in einen Streik.
Der Reihe nach meldeten sich Yeboah, Okocha und Gaudino in den Krankenstand ab. Yeboah erschien abends nicht mal mehr zum vereinbarten Treffpunkt und der angesetzten Spielersitzung im Mannschaftshotel. Schon zuvor hatte er gesagt: „Wenn ich zweimal trainieren muss, kann ich am nächsten Tag nicht spielen.“ Die Reaktion von Heynckes: Er warf ihnen mangelnde Berufsauffassung vor und suspendierte das Trio bis auf Weiteres.

Ganz Frankfurt diskutierte – und schlug sich auf die Seite des Startrainers. Denn: war es wirklich zu viel verlangt, dass Stars mit einem Jahresgehalt von bis zu drei Millionen Mark zweimal am Tag trainieren mussten? War es nicht ihre Arbeitnehmerpflicht, alles zu geben, Tag für Tag, Einheit für Einheit?

"Mit Trainer Heynckes kann ich nichts mehr erreichen"


Besonders Yeobah, der absolute Topstar, zweimal zuvor Torschützenkönig der Bundesliga geworden, Garant für Tore und den erworbenen Spitzenplatz, fühlte sich in seiner Ehre gekränkt. „Ich wollte der beste Spieler Ghanas werden, aber mit Trainer Heynckes kann ich nichts mehr erreichen.“

Der Eklat, der im Zusatztraining mündete, hatte eine Vorgeschichte. Heynckes hatte schon die Monate zuvor Yeboah kritisiert, dass er übergewichtig sei, zu schlecht deutsch spreche, um Kapitän sein zu können. Gaudino war von ihm schon Anfang Oktober suspendiert und in die Nachwuchsmannschaft versetzt worden. Offiziell hatten sie ihr Kriegsbeil zwar begraben, aber der Trainingszoff brachte alle alten Wunden wieder zum Vorschein. Und auch der Super-Techniker Okocha war nicht gut gelitten, zu eigensinnig, nicht mannschafsdienlich genug und bekam selbst nach glanzvollen Auftritten nur dieses Trainerlob: „Jay-Jay kommt hier beim Publikum sowieso immer gut weg.“

Angriffs-Trio wurde zum Verkauf freigegeben


Heynckes, Disziplinfanatiker durch und durch, wollte Zusatzleistungen aus den Stars herauskitzeln. Die Spieler aber verstanden die Kritik als Geringschätzung. Dennoch kannte das Frankfurter Präsidium nur eine Antwort, als der Trainer die Vertrauensfrage stellte: Ein Verein kann sich nicht von Spielern erpressen lassen. Selbst das Eintracht-Idol Charly Körbel, zu der Zeit Co-Trainer, unterstützte voller Überzeugung seinen Chef: „Da kann ein Trainer keine Kompromisse machen. Sonst ist er erledigt. So geht unser Fußball kaputt.“

Also kam, was kommen musste: Das Angriffs-Trio wurde zum Verkauf freigegeben. Gaudino wechselte zu Manchester City. Yeboah kokettierte lange mit dem FC Bayern, den allerdings die Ablöseforderung in Höhe von 8 Millionen verschreckte. Also gings zu Leeds United und von da drei Jahre später zurück in die Bundesliga, zum HSV. Nur Okocha durfte bleiben, wurde erst im Sommer zu Fenerbahce nach Istanbul transferiert.