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Der Adler von Braunschweig wird 65

Bernd Franke machte 345 Bundesliga-Spiele im Trikot von Eintracht Braunschweig

Bernd Franke konnte so hoch springen, fast fliegen, dass er in Braunschweig immer noch Adler gerufen wird. Im Training hieß es immer: "Du hast ja schon wieder Schnee auf dem Kopf", berichtet Franke. Heute springt Franke nicht mehr.

Vor ein paar Monaten bekam er eine neue Hüfte, Sport macht er aber noch. Jeden Tag. Joggen, Fitness, Golf, Tennis. Er hat das gleiche Gewicht wie früher, als er durch die Strafräume der Bundesliga geflogen ist. "Nur die Muskeln sind weniger geworden", sagt Franke und muss lachen, "aber ich bin gesund. Was will man mehr." Am Dienstag (12. Februar) wird der Adler von Braunschweig 65 Jahre alt. Eine große Party wird es aber nicht geben: "Den nächsten Geburtstag, den ich feiern werde, ist mein 100."

Sieben Länderspiele für Deutschland


433 Spiele machte Franke in seiner langen Karriere von 1971 bis 1985 für die Eintracht, 345 davon in der Bundesliga. Wegen schwerer Verletzungen verpasste das Torwart-Urgestein die Weltmeisterschaften 1974 und 1978. 1982 wurde er als Nummer 2 hinter Toni Schumacher Vizeweltmeister. Insgesamt stehen sieben Länderspiele in seiner Statistik.

In Braunschweig wird Franke auch knapp 30 Jahre nach seinem Karriereende immer noch verehrt. Er gehörte zur legendären "Jägermeister-Truppe", feierte drei Aufstiege mit den Löwen und blieb der Eintracht auch treu, als die Konkurrenz ihn mit Koffern voller Geld abwerben wollte. "Ich glaube die Fans haben es honoriert, dass ich immer zur Eintracht gestanden habe", sagt Franke, "ich hatte mehrere Angebote bekommen: aus Amsterdam, Bayern München oder Kaiserslautern. Immer, wenn mein Vertrag ausgelaufen ist, gab es auch irgendwelche Offerten." Doch der Adler blieb in seinem Nest.

"Die Eintracht steigt auf"


Heute lebt Franke mit seiner Frau Hedi wieder in seiner Heimat im Saarland. Seit Jahren lässt er als Konditionstrainer die Tennis-Spielerin Kristina Barrois schwitzen. Doch auch in Urexweiler ist er seinem Ex-Klub nahe. Franke lässt sich die lokalen Zeitungen ins Haus schicken, verfolgt die Spiele im Fernsehen und ist zweimal im Jahr auch im Stadion an der Hamburger Straße.

Und er schwärmt von seinen Nachfolgern, die unter Trainer Torsten Lieberknecht Richtung Bundesliga stürmen. "Die Jungs spielen wirklich einen sehr guten, einen herzerfrischenden Fußball auf hohem Niveau", sagt Franke, "das ist schon toll. Sie sind hungrig und eine eine Einheit, so wie wir das in den 70er Jahren waren." Und Franke legt sich fest: "Die Eintracht steigt auf, und Bayern wird Meister. Das wäre für mich ein perfektes nachträgliches Geburtstagsgeschenk." Seit Jahren ist Franke auch Anhänger des Rekordmeisters.

"Breitner hat nur Gummi-Bäume ausgerissen"


Mit einer Bayern-Legende hat er natürlich auch zusammengespielt. "Aber ich sage immer: Paul Breitner hat mit mir gespielt und ich nicht mit ihm", sagt Franke. Breitner wechselte im Sommer 1977 von Real Madrid in die niedersächsische Provinz. "Das war ein weiterer PR-Gag von unserem Präsidenten Günter Mast. Es hat einfach nicht gepasst. Paul hatte bei uns nicht viele Freunde." Nach nur einem Jahr zieht Breitner weiter nach München. "Er hat bei uns alle verrückt gemacht und nichts bewegt - nur Gummi-Bäume ausgerissen."

Franke selber wollte nach seiner Karriere im Fußball nichts mehr bewegen. Ein Trainerjob kam für ihn nie infrage: "Ich will ja noch lange leben. Als Trainer macht man sich doch kaputt."